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Live Reviews

TINDERSTICKS - im zakk!

Die TINDERSTICKS aus Nottingham (UK) gelten als die dandyhafte, melancholische und avantardistische Variante dessen, was man so gemeinhin als "Brit-Pop" bezeichnen möchte. Natürlich greift diese Umschreibung nur geringfügig und eine Band wie die Mannen um Stuart Staples ist in weitaus mehr, als nur eine Schublade zu stecken. Da spielt es auch keine Rolle, dass Staples über Jahre an Gewicht zu- und an Haaren abgenommen hat. Dandytum (Kritiker sprechen gern auch von "Snobismus") und eine schwermütige musikalische Freiheit sind bis heute geblieben. Und wenn eine solche Band ihren einzigen NRW-Gig spielt, kann eigentlich nur Düsseldorf als Austragungsort herhalten.

Bevor allerdings die TINDERSTICKS die Bühne des ZAKKs mit ihrer Präsenz beehren sollten, stand zuvor die deutsche Band MICATONE spalier, die zahlenden Gäste auf Touren zu bringen. Das gelang mit deren Mischung aus Jazz, Soul und Pop auch ganz gut. Nach einer knappen halben Stunde hatten die ihr Set beendet und das Publikum ordentlich eingegroovet. Die Frage, wie man Vorband der TINDERSTICKS wird, beantwortete MICATONE Sängerin Lisa Bassenge selbst: Die Band fragte Staples, ob er nicht Lust hätte einen ihrer Songs zu produzieren. Gesagt, getan - und obendrein wurde man noch alsToursupport gebooked. Wenn mal alles im Leben so glatt laufen würde.

Um Punkt 21:00 Uhr betraten die TINDERSTICKS die Bühne und eröffneten ihr Set mit dem Opener und titelgebenden Stücks des neuen Albums 'Falling Down A Mountain'. Die düstere Freejazz Nummer, die sich über sechs Minuten zieht und sehr viele Instrumentalparts besitzt, besorgte von Beginn an eine passende Atmosphäre. Die Meinungen, ob das komplexe - und selbst für TINDERSTICKS-Verhältnisse ausufernde - Stück das Publikum in seinen Bann zieht oder eher überfordert, gehen sicherlich auseinander. Die Zuhörer zeigten sich jedenfalls noch etwas verhalten.

Aber das legte sich bald und spätestens bei 'Keep You Beautiful' zeigten sich die Anwesenden schon fast euphorisiert. Soweit man bei dieser Art von Musik eben von "Euphorie" sprechen kann.

Generell bestand das Set hauptsächlich aus den Songs des neuen Albums 'Falling Down A Mountain' - Lediglich 'Piano Music' wurde nicht gespielt. Darüber dürfte aber keiner gemeckert haben, denn 1) Ist das neue Album das beste, was die TINDERSTICKS seit 'Curtains' (1997) veröffentlicht haben. 2) Wurden die Songs live überraschend gut umgesetzt. 3) Hat die Band mit 90 Minuten Spielzeit und 17 Songs auch Quantitativ alles gegeben. Da fällts dann auch gar nicht weiter ins Gewicht, dass eigentlich noch eine zweite Zugabe geplant war, die aber im Endeffekt nicht gespielt wurde.

Dass die Mannen um Stuart Staples auch nach 20-jähriger Bandgeschichte nicht vor Fehlern gefeit ist, offenbarte 'Factory Girls'. Hier verpasste Gitarrist Neil Fraser seinen Einsatz und der Song musste nochmal begonnen werden. Die Band - einschließlich Staples - und die Anwesenden Gäste nahmen es mit Humor.

Obwohl sich die halbe Bandbesetzung im Laufe der Zeit geändert hat und viele Fans eigentlich gar nicht mehr damit gerechnet haben: Mit 'Falling Down A Mountain' wurde in diesem Jahr das (mindestens) zweitbeste Werk der Bandhistory veröffentlicht. DieTINDERSTICKS und besonders deren charismatischer Frontmann Stuart Staples, sind zwar alt geworden, aber wie bei einem guten Wein auch besser. Das haben sie am 28.02.10 einmal mehr bewiesen. Ein ausgewogeneres, durch und durch sympathischeres und zeitloseres Konzert hat das ZAKK selten gesehen. Wenn sich eine Band entscheidet nur ein Konzert in einem Bundesland zu spielen, dann bitte so!

Daniel Schnaithmann 03.03.2010
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